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June 09 2017

Noir (Der Code Noir vor Gericht)

mit Colin Dayan, Pélagie Gbaguidi, Tavia Nyng'o, David Scott und Françoise Vergès


JUN 17
18–22 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, Kassel
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Bücher sind materielle Beschriftungsoberflächen, auf denen politische Fiktionen die Möglichkeit haben, kollektive Wirklichkeit zu werden. Der Code Noir war ein von König Ludwig XIV. 1685 erlassenes Wirtschafts- und Gesetzesdekret, das den kolonialen Handel und Warenaustausch innerhalb des französischen Königreichs regelte. Bis 1848 in Kraft, begründete der Code Noir die Vorherrschaft der Weißen und eine gewaltsame, „rassische“ Trennung, was den gesellschaftlichen und politischen Zugang zu den Techniken der Machtausübung anbetrifft. Keineswegs ein reines Handelsdekret, zählt der Code Noir zu den zentralen nekropolitischen Texten der Neuzeit, der Leben und Tod, Sexualität und Freiheit regelt, weißen (nichtjüdischen, nichtmuslimischen) Kolonialherren umfassende Rechte gibt, aufgrund der „Hautfarbe“ mit dem Körper eines Menschen Handel zu treiben, ihn zu versklaven, zu besitzen, zu vergewaltigen und zu töten. Wenn Adam Smiths Der Wohlstand der Nationen das sichtbare Fundament der modernen liberalen Wirtschaft ist, die individuelles Eigentum und den Markt als politische Voraussetzung liberaler Gesellschaften definiert, so lässt sich der Code Noir als ihr zweites, unsichtbares Fundament betrachten, das die Voraussetzungen für Sklaverei und die Entrechtung des größten Teils der Menschen festschreibt.

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Tags: 20170617

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